Christian Zierhut ist der “deutsche Piratenjäger, der Fälschungen aufspürt und Marken vor Ausbeutung schützt

Aufspüren und Vernichtung von Fälschungen, Zusammenarbeit mit Partnern aus aller Welt: Christian Zierhut, ein Anwalt mit fundiertem Wissen auf dem Gebiet der Pirateriebekämpfung, im Kreis seiner Mitstreiter bekannt und geschätzt, was ihm bei der Bewältigung seiner schwierigen Aufgabe hilft, als Koordinator globaler Markenschutzprogramme und Ermittlungen und Maßnahmen gegen Online- und Offline-Ziele.

Er schützt seit Jahren weithin anerkannte und berühmte Marken und gibt alles dafür, das Markenrisiko seiner Mandanten zu reduzieren und die Markenleistung zu steigern. Von gefälschten Baby Born® und Frisbee®-Scheiben, über sklavisch nachgeahmte Fahrzeugteile bis hin zu Modellcouture, Comic-Superhelden und Merchandise von Formel 1 und MotoGP-Weltmeistern. In diesem Interview erläutert der 46-jährige Markenschutz-Experte, wie er Fälscher identifiziert und warum Markeninhaber mit ihm sprechen sollten.

Herr Zierhut, bitte stellen Sie sich vor und wie hat alles angefangen

Ich bin 46 Jahre alt und habe in Würzburg studiert, wo ich auch mein erstes und zweites Staatsexamen absolviert habe. Wahrscheinlich hat meine juristische Karriere schon im Gymnasium begonnen. Im Kurs “Wirtschaft- und Recht” habe ich entdeckt, dass man mit dem Bürgerlichen Gesetzbuch – in seinen abstrakten, allgemein geltenden Normen – nahezu jeden Fall lösen kann. Das fand ich faszinierend.

Meine Eltern betrieben Unterhaltungselektronikmärkte. Als ich noch aufs Gymnasium ging, war ich bereits für einen dieser Märkte ganz allein verantwortlich, mit allem was dazu gehörte: Einkauf, Planung der Werbekampagnen und Mitarbeiterführung. Ich war also mit wirtschaftlichen Fragen vertraut und es gab auch diese Faszination für das Recht. Das Jurastudium war nur logisch.

Herr Zierhut, Sie scheinen sich mit viel Herzblut für Gerechtigkeit einzusetzen. Woher kommt diese Leidenschaft?

Ich entwickle immer eine besonders große Leidenschaft, wenn die Chemie zwischen mir und meinen Mandanten stimmt. Ich weiß genau, wie es ist, wenn man als kreativer Unternehmer gegen Neid, Nachahmer und Trittbrettfahrer kämpfen muss. Einer von zehn ist wirklich kreativ. Dieser gibt alles, setzt sich hin und entwickelt ein Design, ein neues Produkt, investiert viel Zeit, Energie, Geld und Lebenselixier. Und dann sind da neun, die es sich bequem machen und einfach abkupfern und sich sämtliche Entwicklungskosten sparen. Denen ist der schnelle Profit wichtiger als alles andere. Und das ist nicht hinnehmbar.

Gehen Sie als Mann mit einer gewissen Grundsatzliebe manche Dinge auch unkonventionell an?

Werte wie Gewissenhaftigkeit, Fleiß, Zuverlässigkeit, Loyalität sind mir wichtig. So messe ich mich, aber auch mein Team. Ich muss mich auf das Wort meines Teams  verlassen können, ohne für jeden Kleckerkram einen hundertseitigen Vertrag aufsetzen zu müssen. Ich denke eine gesunde Mischung macht die Arbeit erfolgreich: Grundsätze und Werte sorgen für einen soliden Rahmen, aber der Instinkt für neue Situationen, das Bauchgefühl eben – das muss den Rahmen ausfüllen. Der Mut zu unkonventionellen Lösungen lässt mich Dinge anpacken und vorantreiben

Sie waren der Erste, der eine Anwaltskanzlei in Form einer Aktiengesellschaft gegründet hat. Das hat Sie zu einem Pionier Ihres Fachs gemacht

Die Aktiengesellschaft war im Jahr 2002 die einzige Gesellschaftsform für Anwälte, die mir die Freiheit gab, meine Unternehmensziele umzusetzen. Das war unkonventionell, aber richtig. Mein Unternehmenskonzept wurde 2003 von den “BJU Young Entrepreneurs” mit dem 1. Platz ausgezeichnet. Diese Kanzlei gehört heute zu den weltweit führenden Kanzleien für Markenschutz.

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20 Jahre als Pionier und Jurist – Was waren die Meilensteine?

Wenn ich die Jahre zähle, bin ich seit über 25 Jahren Unternehmer. In dieser Zeit waren die schönsten beruflichen Momente: Der Brief mit den Examensergebnissen, Kanzleigründung, die erste einstweilige Verfügung und Klage. Und eine große Enttäuschung, die sich im Nachhinein noch als Glücksfall herausstellen sollte – die Trennung von einem Kanzleipartner. 

Meine Arbeit für Precisport, Lizenzmanager für Formel 1- und MotoGP-Weltmeister, hat uns unter den großen Marken bekannt gemacht. Innerhalb eines Jahres gelang es ein echtes “Röntgenbild der Piraterie” zu erstellen, deren Ursachen aufzudecken und Gegenmaßnahmen zu ergreifen, bis der Markt in Europa schon nach kurzer Zeit vollständig “aufgeräumt” war und dieser Zustand über viele Jahre bewahrt werden konnte. Dann das Verfahren für einen deutschen Verlag gegen einen der größten Verlage der Welt, Axel-Springer AG. Das war wie David gegen Goliath und am Ende gingen wir als Sieger hervor. Stolz bin ich auch auf meine Arbeit für Toni Rieger. Damals war es ein Wendepunkt, als unsere Gegner den deutschen Markt mit professionell produzierten Fahrzeugteilen aus China überfluten wollten. Wir haben ganze Speditionshallen mit Ware beschlagnahmt. Christian Audigier und seine Markenfamilie “Ed Hardy” habe ich bis zu seinem Tod betreut. Es ist wahrscheinlich das größte Anti-Piracy-Mandat, das Europa bislang gesehen hat. Meine persönlichen Zusammentreffen mit Richard Rawlings auf der SEMA Las Vegas, Mika Häkinnen und Walter Röhrl. Die amerikanische Traditionsfirma Wham-O mit über 70 Jahren Geschichte (Frisbee®, Hacky Sack, Hula Hoop) und das israelische Luxuscouture-Label GALIA LAHAV und Marken wie Zapf’s Baby Born und Stan Lee’s Comic-Superhelden, die man auf der ganzen Welt kennt.

Was ist unter einem “Piratenjäger” zu verstehen?Zierhut IP - Markenanwalt hat 15 Jahre Erfahrung im Markenrecht

Um es einfach auszudrücken: Wir suchen nach Produktfälschungen. Und wir greifen ein, wenn die Markenrechte unserer Mandanten verletzt werden. Wir arbeiten eng mit den Zollbehörden zusammen, durchsuchen Lager und beschlagnahmen Container und nehmen die Plagiate so schnell wie möglich aus dem Verkehr. Obwohl ich viel Zeit an meinem Schreibtisch verbringe, kremple ich immer noch gerne die Ärmel hoch und steige in einen Container, um nach Fälschungen zu suchen.

Welche Aufgaben erwarten Sie am Schreibtisch?

Die Aufgaben sind sehr unterschiedlich. Wir kümmern uns um Hinweise, wenn unsere Agenten oder unsere Mandanten selbst über Rechtsverletzungen informiert wurden. Wir recherchieren online nach gefälschten Produkten und wenn wir fündig werden, prüfen wir die richtige Strategie. Wir müssen immer die örtliche Gerichtsbarkeit und die rechtliche Situation berücksichtigen, da wir nicht immer nach dem gleichen Muster vorgehen können. Ich kann mir keinen aufregenderen Job vorstellen!

Warum lohnt es sich gegen Produktpiraterie vorzugehen?

Manche Unternehmen nehmen das Phänomen wahr, aber machen sich keine Gedanken über die Auswirkungen, einige freuen sich sogar gefälscht und dadurch noch bekannter zu werden. Diese Freude währt nur solange bis Umsatzverlust und Imageschaden eintreten und sie wegen Sach- oder Gesundheitsschäden auf Schadensersatz verklagt werden. Fälscher benutzen den „guten Ruf” eines Produkts, um die Käufer über Herkunft und Qualität zu täuschen. Fälscher müssen keine Kosten für Forschung, Entwicklung und Markteinführung aufwenden. Die Ware wird über lange und undurchsichtige Vertriebsketten abgesetzt. Käufer, die glauben das Original erworben zu haben, schreiben schlechte Qualität und frühen Verschleiß dem Originalhersteller zu. Führen Plagiate zu Gesundheitsschäden müssen Hersteller möglicherweise haften, obwohl sie diese Plagiate selbst nicht hergestellt haben.

Welche Schutzrechte stehen Ihren Mandanten zur Verfügung?

Die eingetragenen Schutzrechte, also Patent und Marke, das Urheberrecht und das Wettbewerbsrecht sind das Schutzsystem für geistiges Eigentum. Schutzrechte kann man danach unterscheiden, was sie schützen. Für technische Erfindungen stehen uns Patent und Gebrauchsmuster zur Verfügung. Marke und Titel zur Kennzeichnung von Waren und Dienstleistungen. Der Schutz kreativen Leistungen geschieht über das Urheber- und Designrecht. Das Wettbewerbsrecht gewährleistet, dass Leistungen nicht auf unfaire Weise ausgebeutet werden.

Was verlangen Sie von den Fälschern?

Neben Verbot, Beseitigung und Auskunft fordern wir Schadensersatz. In der Praxis hat sich bewährt, fiktiv eine Lizenz zu ermitteln, die der Fälscher dem Rechtsinhaber unter marktüblichen Umständen für die Nutzung hätte zahlen müssen. Als Anhaltspunkte für die Bemessung können Lizenzgebühren herangezogen werden, die der Rechteinhaber mit Lizenznehmern erzielt. Eine Reihe von Folgeansprüchen, die zwar in der Praxis eher selten geltend gemacht werden, können in bestimmten Fällen hochwirksam sein. Der Anspruch auf Rückruf bzw. Entfernung der Ware aus dem Vertrieb; der Anspruch auf Herausgabe der Herstellungswerkzeuge; der Anspruch auf Vorlage von Bank-, Finanz- und  Handelsunterlagen, der Anspruch auf Veröffentlichung des Urteils in Tageszeitungen und Branchenblättern auf Kosten des Fälschers und der Anspruch Plagiate auf Kosten des Verletzers vernichten zu lassen.

Gibt es eine “Königsstrategie”?

Es gibt keine einzelne universelle Strategie. Wir kombinieren je nach Situation verschiedene strategische Ansätze miteinander. Wenn von juristischen Maßnahmen die Rede ist, müssen grundsätzlich drei Bereiche unterschieden werden: Vorbeugende, entdeckende und repressive Maßnahmen. Vorbeugend ist die Anmeldung gewerblicher Schutzrechte, die gegenüber Nachahmern Markteintrittsbarrieren schafft. Zu den entdeckenden Maßnahmen gehört neben der Grenzbeschlagnahme die Überwachung der Register auf konkurrierender Schutzrechtsanmeldungen. Die repressiven Maßnahmen sind eine auf den Einzelfall abgestimmten Kombination aus zivilrechtlichen, behördlichen und strafrechtlichen Maßnahmen, sowie der Einschaltung der Zollbehörden für die Grenzbeschlagnahme.

Die Würfel sind gefallen. Dieser Schimpanse liest gerade die Gedanken des Richters und sagt das Urteil voraus.

Sie sind speziell für den europäischen Markt engagiert. Gibt es hier irgendwelche Besonderheiten?

Die meisten gefälschten Produkte werden in Europa verkauft, gefolgt von den USA. Meine Ziel ist es, zu verhindern, dass gefälschte Produkte am besten gar nicht erst von China, Pakistan & Co. über die EU-Außengrenzen bzw. aus dem Hafen gelangen oder noch besser das Herkunftsland nie verlassen.

Wie ist Ihr Team zusammengestellt?

Unser Team besteht aus IP-Anwälten, Produkt- und IT-Experten. Wir stehen in ständigem Kontakt mit unserer Mandanten.

Was motiviert Sie in Ihrem Job?

Dass wir jeden Tag die Welt ein bisschen besser machen.

Danke für die offenen Worte.
Das Interview führte Melanie Roth.

Über Z I E R H U T * I P * Experten für globalen Markenschutz

Bei Z I E R H U T * I ​​P sind wir auf den Schutz von Geistigem Eigentum spezialisiert und verteidigen Marken auf dem Weltmarkt mithilfe einer Kombination aus erfahrenen IP-Anwälten und proprietärer Technologie. Technologie ist ein wichtiger Faktor unserer Schutzlösung. Sie verwendet hocheffiziente Algorithmen, die das Internet scannen und IP-Verstöße identifizieren. Anschließend validieren und entfernen wir die Verstöße und verlangen von den Verletzern Auskunft über Handelskanäle, Umsätze und Gewinne. Fälschungen beschlagnahmen und vernichten wir und fordern Schadensersatz, während wir zugleich Verstöße unseren Kunden in Echtzeit melden.

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